Blockchain, eine neue Lösung für Mieterstrom

Das Wort Blockchain begegnet einem derzeit – dank der polarisierenden Kryptowährung Bitcoin – in zahlreichen Magazinen oder Nachrichtensendungen. Die Blockchain ist eine Art digitales Archiv, in der– wie in einem Buch – verschiedene Transaktionen hintereinander aufgeschrieben werden. Außerdem können Transaktionen in einer Blockchain automatisch validiert werden. Dadurch entfallen in vielen Fällen administrative Kosten. So ermöglicht die Kryptowährung Bitcoin ein Transaktionssystem ohne eine Bank als zentrale Verwaltungseinheit.

In den kommenden Jahren soll die Blockchain Technologie in vielen neuen Sektoren Anwendung finden. Während Finnland mit auf Blockchain basierenden Kreditkarten für Flüchtlinge experimentiert, wollen andere Länder wie Schweden oder Georgien ihr Grundbesitzregister in eine Blockchain übertragen.

Mieterstrom mit Blockchain

Doch welche Anwendungen finden sich im Energiesektor?

Lassen Sie uns einen kleinen Blick in die Zukunft wagen: Max Mustermann wacht am Montag, dem 01.01.2025, um 7 Uhr morgens auf und erledigt seine Morgenroutine. Er wohnt in einem Mehrfamilienhaus, das sich – zusammen mit den umliegenden Mehrfamilienhäusern – einige Photovoltaikmodule über ein Mieterstrommodell teilt. Durch Mieterstrom hat Herr Mustermann Zugriff auf lokal erzeugten Ökostrom und spart eine Menge Geld. Denn: der Strom aus den Solaranlagen ist günstiger als der Strom, den er von seinem Energieversorger bezieht.

Da verschiedene Mieter auf den Strom von derselben Solaranlage zugreifen, ist es wichtig, stets festzuhalten, welcher Mieter wie viel Strom bezieht. Bisher wird hier ein mit Smart Metern umgesetztes Summenzählermodell mit optionaler Kaskadenmessung benutzt, um die Stromflüsse zu analysieren. In Zukunft könnte der Abrechnungsprozess einfacher und ressourcensparender über eine Blockchain abgewickelt werden. Die Blockchain bietet nicht nur ein sicheres Archiv, in dem aufgenommen werden kann, wer wie viel Strom verbraucht, sondern ermöglicht auch das Abschließen sogenannter Smart Contracts.

Ein solches Vertragsverhältnis, bei dem kein Makler zwischen den Parteien steht, bietet sich besonders dann an, wenn das Mehrfamilienhaus sich neben den Solaranlagen auch einen Energiespeicher teilt oder es beispielsweise über Ladesäulen für Elektroautos verfügt. Die Blockchain kann auch komplexe Stromflüsse automatisiert regeln. Darüber hinaus wird auch ein automatisierter Handel mit dem lokalen Stromversorger möglich. So kann bei einem variablen Strompreis in Zeiten niedriger Strompreise automatisiert beim Energieversorger Strom eingekauft werden. In Zeiten hoher Strompreise dagegen, könnte das Mehrfamilienhaus über die Smart Contracts Strom aus dem eigenen Speicher zum Verkauf anbieten. Hier ergeben sich enorme Synergie Effekte. Der Kunde bekommt den Strom stets zuverlässig und zu einem optimalen Preis und kann dem lokalen Energieversorger durch den Zugriff auf den eigenen Stromspeicher ein intelligentes Demand Side Management ermöglichen.

Automatisch miteinander handelnde Systeme, die dem Endkunden eine optimale Abdeckung mit grüner Energie zu möglichst niedrigen Preisen ermöglichen, klingen nach Zukunftsmusik? Stimmt! Aber wir von inexogy arbeiten schon heute in unterschiedlichen Forschungsprojekten daran Mieterstrom-Modelle weiter zu optimieren und durch den Einsatz neuer Technologien das Maximum für unsere Kunden herauszuholen.

*Marius Zipf ist Werkstudent bei inexogy und arbeitet an der Umsetzung von Mieterstromprojekten mit Blockchain.

Autor: Pablo Santiago

inexogy Newsletter

In unserem Newsletter warten aktuelle Hintergrundberichte und spannende Geschichten 
aus der inexogy Welt auf Sie.

Aktuellste Beiträge

Smart Meter sind für die Energiewende unerlässlich. Denn: Intelligente Messsysteme (iMSys) haben zahlreiche Vorteile gegenüber den klassischen analogen Stromzählern. Hier haben wir die wichtigsten Fragen zu intelligenten Messsystemen beantwortet.
Die gesetzlichen Anforderungen zum Steuern und Schalten mittels intelligenter Messsysteme sind bereits festgelegt: Ab dem 1. Januar 2025 müssen sowohl Energieerzeugungsanlagen als auch steuerbare Verbrauchseinrichtungen, die vor dem 1. Januar 2024 installiert wurden, über ein intelligentes Messsystem steuerbar sein. Das Ziel besteht darin, eine netzorientierte Steuerung zu ermöglichen, durch die Netzbetreiber bei Engpässen die Bezugs- und Einspeiseleistung reduzieren können.
Die dezentrale PV-Versorgung in Mehrfamilienhäusern und Gewerbeimmobilien steckt noch in den Kinderschuhen. Von den förderfähigen 3 Gigawatt PV-Mieterstrom ist bislang nur ein Bruchteil installiert. Für mehr Schwung beim Mieterstrom-Rollout soll das Modell des virtuellen Summenzählers sorgen, mit dem teure Umbaumaßnahmen und aufwändige Bürokratie überflüssig werden. Wir erklären, was es damit auf sich hat und welche Vorteile es bietet.